Kindergartenparlament

Zu meiner Zeit in den 80er Jahren hat der Lehrer alles vorgegeben: Heute machen wir das, morgen das und übermorgen das. Ins Klassenlager fahren wir an den Jura Südfuss. Punkt. Passt mir, oder passt mir nicht, gab es nicht, interessierte nicht.

Heute ist das offenbar anders. Da heisst es im Volksschulgesetz unter Paragraph 50/3: «Die Schülerinnen und Schüler werden an den sie betreffenden Entscheiden beteiligt, soweit nicht ihr Alter oder andere wichtige Gründe dagegen sprechen. Das Organisationsstatut und das Schulprogramm sehen eine dem Alter und dem Entwicklungsstand entsprechende Mitverantwortung und Mitsprache der Schülerinnen und Schüler vor.»

Das liesst sich doch wunderbar. Ich träume von einer Schule, die ihre Lerninhalte auf die Bedürfnisse des einzelnen Kindes ausrichtet. Paragraph 50 scheint das möglich zu machen. Weit gefehlt, wie ich mir auf Anfrage von der Bildungsdirektion des Kantons Zürich sagen lassen muss:

«Der Lernstoff ist nur marginal von der Schülermitwirkung betroffen. Lerninhalte ergeben sich zwingend aus dem Lehrplan und den obligatorischen Lehrmitteln. Es kann also höchstens einmal um eine spezielle Gewichtung oder «kleinere» Lerninhalte gehen.»

Und weiter:   

«Die individuelle Partizipation betrifft die Mitsprache des einzelnen Kindes bei Schullaufbahnentscheiden, speziellen Fördermassnahmen etc. Die kollektive Partizipation betrifft Fragen, welche die ganze Klasse oder die ganze Schulgemeinschaft betreffen, z.B. Pausenplatzgestaltung, Hausordnung, Organisation von besonderen Aktivitäten, Schulfeste etc.»

Wer genauer über die Deutung von Paragraf 50 Bescheid wissen möchte, hier gibt es ein umfassendes Dokument.


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